Dienstag, 5. April 2011

Erdbeben in - Making of

Wer ein gute Geschichte schreiben will, muss natürlich recherchieren. So habe ich mühsam aus dem Internet alle Erdbeben von Bedeutung zusammen getragen, die in den vergangenen fast 2000 Jahren Deutschland (Mitteleuropa) immer wieder „aufgeweckt“ haben.





Erdbeben


um 400 im Raum Köln bis Stärke ca. 6,5
um 813 bei Aachen bis Stärke ca. 6,5 und 829 bei Aachen (Stärke ?)
1012 Westfalen Stärke ?
1062 Fränkische Alb Stärke ?
1223 – Beben bei Köln Stärke ?
1356 Basel  Stärke ca. 6,7-7,4; 300 - 2000 Tote; Schäden in 50 - 100 km Umkreis
1756 Düren (Eifel-Nordrand)  Stärke ca. 6,4; 4 Tote; Schäden in 50 km Umkreis
1846 St. Goar Stärke ?
1856 Groß-Gerau  ? (spürbar bis Mainz Schäden an Schornsteinen)
1869-72 Groß-Gerau 2000 kleinere Beben; Erdbebenschwarm erschütterte die Umgebung so sehr, dass Bewohner monatelang in Zelten hausen mussten.
1872 Gera (Thüringen) Stärke ca. 8,0 ??? (unbestätigte Schätzungen) oder 1875 Stärke 5,5 ?
1873 – 3 Erdbeben mit Epizentrum bei Herzogenrath. Es wird von Gebäudeschäden berichtet.
1911 Tübingen/Albstadt  Stärke ca. 5,7; ca. 20 Verletzte (gleiches Beben würde heute ca. 8 Mrd. Schaden verursachen)
1943 Albstadt Stärke ?
1951 Euskirchen (NRW) Stärke 5,7
1978 Albstadt Stärke ca. 5,7; 20 Verletzte; Schaden ca. 50 Mio. €, burg Hohenzollern starke Schäden
1992 Roermund Stärke ca. 5,9; 1 Toter,30 Verletzte; ca. 1300 Häuser beschädigt; Gesamtschaden ca. 75 - 120 Mio. €,  Dabei wurde der Reaktor von Block A des AKW Biblis wegen. Überschreitung des zulässigen Beschleunigungswerts von 45 cm/s2 (automatisch ?) heruntergefahren.

Erdbeben in den vergangenen 10 Jahren
2004 Soltau (bei Hamburg) Stärke ca. 4,5 Umkreis von 40 bis 50 Kilometern zu spüren (vermutliche Ursache Erdgasförderung)
2004 Basel  Stärke ca. 4,2
2005 östlich von Basel (Kanton Aargau)  Stärke ca. 4,4; Der Erdstoß war auch in Teilen von Baden-Württemberg, im Umkreis von 100 bis 130 Kilometern um das Epizentrum zu spüren
2007 Koblenz  Stärke ca. 4,0
2009 Kandern (südlich von Freiburg) Stärke ca. 4,5; Das Beben war im Umkreis von rund hundert Kilometern spürbar.
2011 14.2 Bad Ems Stärke ca. 4,4 - 4,8; im Umkreis von 80 Kilometern um das Epizentrum zu spüren

Doch damit nicht genug: Erst die Nachforschungen in den Chroniken des Bergsträßer Anzeigers
(Artikel„Zwei Jahre lang teils heftige Erdbeben“) vermittelten einen plastischen Eindruck vom Geschehen anno 1872.

Quelle mamo/BA; http://www.morgenweb.de/region/bergstraesser_anzeiger/175jahre/chronik/02_februar/20070221_3430000002_00907.html


Ernesto O.

Erdbeben in Groß-Gerau - Kernschmelze in Biblis

Erdbeben in Groß-Gerau - Kernschmelze in Biblis

Flashback in Time


Was für eine Nacht! Clara war dreimal aufgewacht und gab keine Ruhe. Jetzt war es genug. Ich holte sie aus ihrem Kinderbettchen zu mir ins Bett. Endlich war sie wieder eingeschlafen und auch Wilhelm schnarchte neben mir friedlich vor sich hin. Der Blick auf den Wecker zeigte 25 Minuten nach 5 Uhr. Ich war gerade im Begriff ebenfalls in den Schlaf zu fallen, als ein zuerst unmerkliches Zittern zu einem Grummeln anschwoll, das Bett zu wackeln begann und ein heftiger Knall von zerpringendem Glas aus der Küche mich blitzschnell aus dem Bett springen lies. Es war wieder soweit! Ich packte, so schnell es eben ging, Clara und rannte barfuß durch das dunkle Zimmer in den Flur hinaus, riss die Haustüre auf und stürzte nun selber zitternd ins Freie. Die Erde bebte noch immer stark und die Bäume im Garten wackelten hin und her als ich eine Stimme Elenore rufen hörte. Es war Wilhelm, mein Ehemann, der nun in der Haustüre erschien und erleichtert wahrnahm, dass ich mich mit Clara in Sicherheit befand. Da lösten sich plötzlich zwei Ziegel vom Dach, doch bevor sie krachend vor der Haustür auf dem Boden zerschellten war Wilhelm auch schon bei Clara und mir und hielt schützend seine Arme um uns. Überall auf der Straße waren plötzlich Leute und trotz der Dunkelheit konnte ich die Angst aus ihren Gesichtern lesen.

Dies war also der 10. Februar 1872, doch nicht nur dieser Tag machte uns Angst, die Angst sollte noch bis Ende Mai anhalten. Im  Morgengrauen kamen Leute von der Feuerwehr vorbei um nach dem Rechten zu sehen. In der Nachbarstraße brannte ein freistehendes Haus ab, denn durch den Einsturz des Schornsteins hatte sich Glut in der Küche verteilt und brennbares Material entzündet. Auch die Scheune vom Müllers Karl in der Bachgasse sei völlig eingestürzt, berichteten sie. Nach Sonnenaufgang wagte sich Wilhelm ins Haus zurück um nach Schäden zu sehen. Noch zweimal sollte an diesem Tag die Erde beben und deshalb beschlossen wir aus dem Schuppen unser Zelt zu holen und die nächste Nacht trotz der kalten Jahreszeit unter dem freien Sternenhimmel zu verbringen. Orion, Perseus und Kassopeia würden uns bestimmt nicht auch noch auf den Kopf fallen. Nachbarn berichteten am folgenden Tag, dass die Erdstöße im ganzen Ried von Mainz bis hinüber zur Bergstraße zu spüren waren. Den Gedanken vorübergehend nach Heppenheim zu Tante Adelheid zu ziehen verwarfen wir daher wieder und ergaben uns unserem Schicksal.

Ein Erdbeben in Groß-Gerau? Unmöglich glaubten die Menschen, über Jahrhunderte war die Erde im Oberrheintal ruhig geblieben, doch nun ist es einfach passiert! Mehrere hundert Erdstöße sollten in den kommenden drei Monaten die Erde und die Menschen nicht zur Ruhe kommen lassen...

Zeitsprung 2021

7. Dezember, der Tag nach Nikolaus. Peter, in allerbester Stimmung, schlürfte seinen Kaffee leer und machte sich auf den Weg. 

Zur Zeit läuft es aber richtig gut. Zum einen hatte Claudia ihm die vergangene  Nacht wunderbar versüßt, zum anderen konnte er es gar nicht erwarten, seinen nagelneuen Tiguan Hybrid SLY in Bewegung zu setzen, den er sich dank seines Jobs als Ingenieur im AKW Biblis schon mit gerade mal 32 Jahren leisten konnte. Dabei hätte er eigentlich traurig sein sollen, denn sein Arbeitgeber hatte trotz eines Angebots der Bundesregierung es abgelehnt das alte Kraftwerk noch einmal zu sanieren, um es weiter betreiben zu können. Die Firmenbosse hatten in den vergangenen drei Jahren den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, nicht zuletzt weil die Aktionäre sich eine größere Gewinnmarge dadurch versprachen und auf Jahre sichere Dividenden.

So war es also beschlossene Sache, übermorgen sollte das AKW heruntergefahren werden und die Atomstromproduktion in Biblis eingstellt werden. Nicht einmal der chronische Dauerregen der vergangenen 14 Tage war geblieben. Heute war strahlender Sonnenschein. Dennoch hatte Peter vor Fahrtantritt seine Gummistiefel eingepackt, weil der Rhein wegen Hochwasser über seine Ufer getreten war und man sich am AKW ganz schnell nasse Füsse holen konnte. Nun ja in 10-12 Minuten würde er das Werktor passieren und sich mit dem Studium der Reaktorabschaltpläne beschäftigen. Denn bei einem AKW drückt man ja nicht so einfach auf den Knopf und alles ist paletti, da muss schon noch eine ganze Weile gekühlt werden, bis die Brennstäbe Ruhe geben.

Am Horizont vor ihm tauchte die Silhouette von Biblis auf. Doch was war das? Er traut seinen Augen nicht. Ein schwarze Rauchsäule steigt auf, kam das vom Reaktorgebäude? Es wird doch nicht? Quatsch! Er schaltet den Internet-Newsticker auf das Display seines Autocockpits und toucht auf HR3. „...ist vor wenigen Minuten ein AirbusXXL beim Start vom Frankfurter Flughafen während des Steigflugs in südlicher Richtung abgestürzt und möglicherweise am Atomkraftwerk Biblis zerschellt.“ „...“

Peter zischt:  „So eine Scheiße, jetzt fehlt nur noch Erdbeben....“, ... als ihm ganz schwindelig vor Augen wird und er sogleich eine Vollbremsung hinlegt, die ihn hart auf den Seitenstreifen schiebt. „Gottseidank“, das Auto steht.... doch die Erde... die Erde... die Erde steht nicht still; sie ...bebt. Die Angst steigt in Peter langsam auf. Jetzt ist es gewiss - ein Erdbeben, ein starkes Erdbeben hat Südhessen getroffen.  
    


Ernesto O.

Donnerstag, 31. März 2011

Verbalradikalismus ist nicht Radikalverbalismus !?!

Verbalradikalismus ist nicht Radikalverbalismus !?!

Ich dachte Verbalradikalismus wäre etwas Neues, Unerhörtes. Der Blick ins Internet belehrte mich eines Besseren.  Ca. 17000 mal wurde ich fündig. Allem Anschein nach ist in den Einträgen 16999 mal ein verbaler Radikalismus gemeint, allenfalls ein politisch motivierter verbaler Radikalismus. Nur 9 Einträge finden sich zu Radikalverbalismus, auch da ist verbaler Radikalismus gemeint.


Was also ist „verbaler Radikalismus“ und was ist „Verbalradikalismus“ ?
Verbal [Adj. , o. Steig.] 1 zeitwörtlich, als Verb gebraucht 2 durch Worte, mündlich[n. 1; schweiz.] Bescheinigung, Bericht
Verbalismus [vɛr-] m. Gen.- nur Sg. Übergewicht der Worte über die Sache, Neigung zum Wortemachen
Radika|ismus [m. -; nur Sg.] 1 radikale politische Richtung 2 radikale Anschauungen, radikales Denken
radikal [Adj. ] 1 gründlich, bis zum letzten, von Grund aus; etwas r. beseitigen, entfernen; 2 rücksichtslos, bis zum Äußersten gehend, kompromisslos; 3 übersteigerte politische Ansichten vertretend; r. eingestellt sein 4 Math.: Zeichen für das Wurzelziehen ( √ ); 5 Chem.: eine Atomgruppe [

Der Beginn des allgemeinen Verständnisses vom verbalem Radikalismus als Verbalradikalismus wurde  sicher intensiv durch den „ollen Kaiser Willem II“ geprägt, der mit Kraftausdrücken seine einschlägigen politischen Ansichten verbreitete und damit ganz Europa brüskierte. Die unpolitische Variante des verbalen Radikalismus ist der „Wut-Verbalismus“, der sich in unflätigen, beleidigenden oder auch rassistischen Ausdrücken und Sätzen zeigt.

Jedoch handelt es sich beim Verbalradikalismus nach meiner Prägung im eigentlich begrifflichen Sinn mehr um einen radikalen Verbalismus. Es geht hier also nicht darum sich besonders radikal (sprich: kompromisslos etc.) auszudrücken, sondern es geht um eine radikale Methode Worte und Wortverknüpfungen zu behandeln. (also: von Grund auf, von der Wurzel her zu betrachten)

Entkleiden wir Worte ihrer Hülle, berauben sie ihrer Flügel und reduzieren sie auf ihren innersten Wert, so bleibt einzig die Verbindung von Inhalt und Begriff bzw. Ausdruck desselben übrig. Dies brachte mich dazu über Sinn und Unsinn von Begriffen und Worten nachzudenken, mit dem Ergebnis, dass ich nun sicher sagen kann, dass alles was sich mit einem Wort ausdrücken lässt auch in der Realität existieren muss. In der Konsequenz bedeutet dies, dass „neue Worte“
ggf. auch neue Existenzen und Realitäten erschaffen, bzw. bestehende Realitäten verändern.

Alle Worte haben einen Inhalt. Abstrakte Worte haben als Inhalt einen Sachverhalt, eine Funktion, oder im extremsten Fall eine Diffusion, und beschreiben nebulöse Zustande bzw. unbestimmbare Sachverhalte, Funktionen oder Beziehungen.
 
Inhaltsleere Worte haben den Inhalt „inhaltsleer“.

Buchstaben (Laute) sind wie Atome, Worte wie Moleküle, die sich zu Atom- und Molekülverbänden, den Sätzen vereinigen. Sätze sind Wortketten, Wortnetze und Wortgeflechte, die sich zu größeren Texten und Reden zusammenbauen.

Schließlich: Die stärkste aller Waffen ist das Wort. In diesem Sinne ist es tatsächlich so, dass es die Worte sind, die die Welt, ja das ganze Universum verändern. In diesem Sinne ist auch nicht unsinnig zu sagen, „das Universum nicht mehr oder weniger ist als ein gesprochenes Wort!“

Radikaler Verbalismus hat unglaubliche Dinge zur Konsequenz:
So bedeutet die Tatsache, dass wir das Wort „Gott“ artikulieren können, demnach auch - sofern wir das zuvor Gesagte akzeptieren - dass Gott tatsächlich existiert (in welchem Sinn auch immer - als Hyperkomplexität mit personalen Aspekten ?).
Weniger gefällt mir die Konsequenz, dass durch das Aussprechen des Wortes „Teufel“, derselbe realer Teil dieser Welt wird, und sei es auch nur in Form einer Funktion.
Erfinde ich jetzt das Wort „Muzzifuzzi“, dann hat „Muzzifuzzi“ also Existenz und Inhalt; im einfachsten Falle ist dieser Inhalt „inhaltsleer“, was soviel bedeutet wie dieses Wort hat den Inhalt „keinen Inhalt“, also einen Inhaltsausschluss. Dies gibt „Muzzifuzzi“ zwar einen Inhalt, aber noch lange keinen Sinn. Letzteres behauptet der radikale Verbalismus auch nicht, wenngleich wir den Sinn von Muzzifuzzi mit „Sinnlosigkeit“ übersetzen könnten, was genau genommen Muzzifuzzi ja bereits einen Sinn gibt: „Die Sinnlosigkeit“!
Die Sinnlosigkeit macht übrigens Sinn, denn hätte alles ein Sinn, so würde die Anzahl der Sinnzusammenhänge (sagen wir der einfach der Beziehungen) ins Hyperkomplexe steigen mit schlimmen Konsequenzen...

Bleibt festzuhalten, dass der radikale Verbalismus zu ähnlich fundamentalen Erkenntnissen führt, wie sie Fritjof Capra (Physiker und Philosoph) erlebte, als er am Strand liegend mit seinen Gedanken in seinen Körper eintauchte. Nicht nur, dass wir Lebewesen aus praktisch „Nichts“ (max. einem Fingerhut voll echter Materie) bestehen; all unsere Teilchen sind in ständiger Schwingung, es ist Gewimmel von großer Dynamik in uns wie in einer Großstadt. Genau so enorm wie der Tanz der Teilchen in uns Menschen, ist auch der Tanz der Worte, Buchstaben und Sätze in unserem Kopf und in der Welt.

Mein kleiner Beitrag zu diesem Tanz ist der radikale Verbalismus, kurz der Radikalverbalismus oder auch der Verbalradikalismus - wie im zuvor genannten Sinne verstanden. 

Ernesto O. 


Wer diese Beschreibung des Radikalverbalismus/Verbalradikalismus verstanden hat, versteht jetzt auch den Satz:

Wenn vor dem Auto hinter dem Auto ist,
ist hinter dem Auto vor dem Auto.
 

Sonntag, 20. März 2011

Atomkraft - aber bitte jetzt!








Ob Atomkraftwerke sicher sind oder nicht ist nicht mehr die Frage. Die Frage ist jetzt vielmehr wie viele Strahlenkranke und Menschenopfer die Welt bereit ist zu ertragen, bis die Kernenergie wenigstens so sicher ist, dass nicht alle paar Jahre ganze Landstriche und Millionenstädte radioaktiv verseucht werden.

Schon gewusst? Die bekanntesten radioaktive Stoffe, die bei AKW-Unfällen freigesetzt werden sind vor allem Strontium-90, Jod-131 und Cäsium-137. Während deren Halbwertszeiten (die Zeit in der die Hälfte des radioaktiven Materials zerfallen ist) bei ca. 30 Jahren liegt, ist die größere Gefahr, die von MOX-Brennelementen (Uran-Plutonium-MischOXid) ausgeht weit weniger bekannt:

Plutonium-239, das sich in den MOX-Brennstäben 
befindet, hat jedoch eine Halbwertszeit von 
24000 Jahren! In den vergangen 10 Jahren wurden 
in 9 der 17 AKWs in Deutschland MOX und damit 
Plutonium zur Energieerzeugung verwendet. 
Auch im explodierten Reaktor 3 von Fukushima I 
befindet sich das MOX-Plutonium.


Ernesto O.